Juli 4, 2021

Soziale Innovationen

Soziale Innovationen beinhalten neue Wege, Kombinationen und Formen des gesellschaftlichen Miteinanders, um nachhaltige Entwicklung und Lebensqualität zu fördern. Gleichzeitig ist soziale Innovation auch ein Prozess, um neue Ideen zu entwickeln und Menschen die Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungen zu ermöglichen. Eine Voraussetzung ist, dass ein Nutzen für die Gesellschaft entsteht. Die Wandelbewegung hat zum Ziel, durch Kommunikation, politische Arbeit und Projekte soziale Innovationen zu fördern und die Rahmenbedingungen für ihre Entstehung und Sicherung zu verbessern. Gesellschaftliche Themen wie Pluralismus, Jugendbeteiligung, nachhaltige Lebensstile oder Selbstbestimmung greift sie in verschiedenen Projekten und Aktivitäten auf.

Ernährungsouveränität
Es gibt eine Anzahl von Gemeinschaftsgärten und Formen solidarischer Landwirtschaft. Hier geht es um gemeinschaftliches Miteinander zum einen, zum andern um die Lebensmittel, die wir essen. Hier steht die Direktheit an erster Stelle. Wir bauen das an, was wir essen. Das wird in der Coronazeit besonders deutlich, da die weltweiten Handelswege einbrechen, die Ängste um Nachschübe treffen sich mit den Einbußen der Landwirte. Plötzlich fehlen die Gastronomien als Handelspartner und der Kauf von regionalen Produkten wird stark beworben, überlebensnotwendig für die heimische Landwirtschaft – und siehe da, es taucht eine Anzeige der Landwirtschafts-kammer Vorarlberg auf, die Partner für die „Vertragslandwirtschaft“ suchen, ein anderes Wort für Solidarische Landwirtschaft. Auch Otto Scharmer hat das in den USA beobachtetund ebenfalls in Indonesien werden Gemeinschaftsgärten als Projekt der Not in Pandemiezeiten umgesetzt.

Orte für Begegnung
Begegnung ist wesentlich. Die Initiativen lassen Orte (Häuser, Räume) entstehen, die diese Begegnung ermöglichen. In der Coronazeit erfordert dies Mut und neue Ideen, aber das Wie der Begegnungsräume weist auf die Zeit nach der Krise: es muss offene, partizipative und freilassende Formen geben. Wie faszinierend war mein erstes Mal in der Tankstelle in Bregenz, in der unorganisierten Form eines Offenen Raumes wurde mir klar, dass es nicht um das Konsumieren der Situation geht, sondern um die Aufforderung an mich selber, den Raum und die Anwesenden wahrzunehmen und mich selber einzubringen. Ich muss aktiv sein, ich bin verantwortlich dafür, wen ich kennenlerne, mit wem ich ins Gespräch komme.
Viele Projektschmieden, Ideenkanäle oder Zukunftsbüros weisen den Weg in diese andere Zukunft.

Bedürfnisorientiertes Wirtschaften
Die Werbewirtschaft hat in Zeiten von Corona Neues zu bieten. Sie appellieren an die Solidarität der Konsumenten bzw. stellen die Solidarität innerhalb der Betriebe und der Betriebe mit ihrer Region in den Vordergrund. In Anzeigen werden den Angestellten des Gesundheitswesens gedankt. 24-Stunden-Pflegekräfte erhalten eine Bonuszahlung, wenn sie ihren Aufenthalt verlängern. Weltweite Lieferketten werden in Frage gestellt: Warum wird der Mundschutz nicht in unserem Land hergestellt? Besonders ist feststellbar, dass der Konsum und die Mobilität sehr einzuschränken möglich ist.
Ich habe festgestellt, dass die Bioläden einer enormen Nachfrage gegenübergestellt sind. Offenbar ist der Bedarf nach gesunden Lebensmitteln in der Krise höher.
Die Initiativen experimentieren mir Regionalwährungen als Mittel eine regionale Wertschöpfungskette zu stärken (Vtaler und Bürgerkarte), während die Gemeinwohlökonomie das Bedürfnis nach einer dienlichen Wirtschaft spiegelt. Teilen, beitragen und kooperieren sind wichtige Aspekte der Gegenwart.

Freiheit in Vielfalt
Die Schulen wurden geschlossen und was spürbar wird, ist die Digitalisierung der Unterrichts (homeschooling, e-learning erscheint als der Trend der Zeit.) Doch zeigen die Wandelinitiativen schon seit über 100 Jahre in eine andere Richtung. Reformpädagogische Ansätze sind genug vorhanden (Steiner, Montessori und Freinet) und die Zahl der Modellschulen in Deutschland befindet sich im Steigflug. Auch in den Initiativen gibt es viele engagierte Lehrerinnen, die reformpädagogische Ansätze in ihren Unterricht einbringen. Nicht für die Schule soll gelernt werden, sondern für das Leben. Bis hin zum selbstorganisierten Lernen in einem freien Studium generale.
Wandelinitiativen sind das schöpferische freie soziale Feld, die Schule der Transformation, wie sie Otto Scharmer anregt. Die Lernziele werden in Tun generiert: Lebendige Konfliktkulturen ermöglichen ein wachsendes Miteinander, Aktives Zuhören und Verstehen wollen, Kreiskultur und Offene Räume, Achtsamkeit und Ethik, Mutter Erde, Beitragen, In Konflikten die positive Seite des/der Anderen bedenken, Commoning als Beispiele.

Dieter Koschek

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