Dezember 1, 2025

Für ein freies Palästina

Leider bin ich kein Hellseher und habe auch keine politische Lösung für Palästina an der Hand. Ob es je ein freies Palästina geben wird, oder ein multi-nationales Land mit Respekt zwischen den Menschen und Völkern. Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht.
Und die Gewalt, mit der Israel gegen die Palästinenser vorgeht, raubt mir die Luft zum Atmen. Israels Krieg gegen die Palästinenser hat längst nicht mehr mit einer „Antwort“ auf den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 zu tun, auch kann ich nicht eine „Selbstverteidigung“ Israels erkennen, sondern nur eine mörderische, kalt-metallisch-militärische Logik, in der Menschenleben nichts mehr zählen. In Gaza ist weitgehend alles zerstört, die Menschen werden immer wieder aufgefordert zu fliehen, vor erneuten militärischen Angriffen.
Israel hat Gaza isoliert und abgesperrt, verweigert Lebensmitteltransporte und andere Hilfen. Die Regierung Netanjahu ist weltweit ebenfalls isoliert, allerdings hat sie in den USA und der EU und hier insbesondere Deutschland Verbündete, die unbeirrt den Völkermord unterstützen.

Dabei ist es nicht so wichtig, in die Diskussion einzusteigen, ob es nur wirklich ein Apartheidsystem oder ein Völkermord ist. Diese Debatten verschleiern nur das Elend der dort lebenden Menschen. Diese Debatten sind bar jeglichen Mitgefühls für die leidenden Menschen.

Das Leid in Gaza, aber auch im Westjordanland oder in den Flüchtlingslagern im Libanon und in Syrien ist unbeschreiblich und menschenverachtend. Aber in Deutschland und den USA werden Menschen, die diesen Zustand kritisieren verfolgt und bestraft. So soll wohl das Unrecht und der Widerstand dagegen unterdrückt werden.

Auf der Welt sieht das anders aus: viele Länder verurteilen Israels Vorgehen als Unrecht, klar völkerrechtswidrig. Netanjahu wird als Kriegsverbrecher verfolgt und die UNO verurteilt immer wieder Israels Krieg.

Aber die Mauer der Rechtfertigungen ist riesig. Allein die menschenverachtende Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt, ist ein Mahnwal der Irrsinns. Mit ihr soll der Widerstand aus dem widerrechtlich besetzten Land – mit Krieg und Gewalt angeeignet, entgegen allen UN-Resolutionen – der dort lebenden Palästinenser „verhindert“ werden.

Eine Mauer haben auch schätzungsweise 4000 Menschen aus 80 Ländern erfahren, die im Juni 25 von Kairo nach Gaza gehen wollten – sie wurden jedoch von ägyptischen Behörden gestoppt, hunderte deportiert oder sogar geschlagen – jedenfalls daran gehindert, den Grenzübergang von Rafah zu erreichen. Sie wollten dort für einen Waffenstillstand demonstrieren und Hilfsgüter überbringen. „Der Globale Marsch nach Gaza ist eine lebendige, wachsende Bewegung und Teil des langen, entschlossenen Kampfes zum Schutz palästinensischen Lebens, seiner Würde und seiner Freiheit“,so die Organisator*innen.

Auch die Solidaritätsaktion von Greta Thunberg und anderen, wurde mit Gewalt gestoppt und die Aktivist*innen eingesperrt und ausgewiesen. Studenten, die gegen die Gewalt demonstrieren wurden in Berlin eingekesselt und strafrechtlich verfolgt, ähnlich den protestierenden Student*innen an der Columbia-Universität in den USA.

Meine Möglichkeiten mich gegen die Gewalt in Nah-Ost zu engagieren sind sehr begrenzt. Allein, es ist absolut notwendig, die Gewalt zu sehen und zu verurteilen. Es ist absolut notwendig das Elend der Menschen in Gaza und dem Westjordanland zu sehen – und Mensch zu bleiben. Gewalttätiger Widerstand, Terror, Besetzung, Angriffskriege, Isolation, Hunger sind überall auf der Welt verachtungswürdige Handlungen. Es hilft kein Hass, keine Vergeltung, keine Rache, keine Gewalt – sondern nur Menschlichkeit, Mitgefühl, das Spüren der Not und das Helfen.

Hilfe für die Menschen in Gaza bedeutet jetzt das Darübersprechen. Die Not zu artikulieren, das Unrecht und die Gewalt zu verurteilen und die Verantwortlichen anzuprangern – und das sind auch unsere Politiker und „unsere“ Waffenindustrie. Und auch praktisch mit Geld zu helfen. Hier bietet sich für mich ‚medico international‘ an, die mit Partnern seit Jahren Hilfe für Palästina leistet.

Trotz Bombardierung, Vertreibung und dem Mangel an Allem versorgen die Ärzt:innen und mobilen Teams der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) Verletzte, Kranke und chronisch Erkrankte in Notunterkünften und Zeltlagern. Unterstützt von medico kämpfen sie gegen den Kollaps der Gesundheitsversorgung.
Viele Tausende Menschen haben bei medico in den vergangenen Wochen zehntausende Postkarten und Poster bestellt, auf denen steht: „Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein.“ Das ist der Titel eines kürzlich erschienenen Buches des Schriftstellers Omar El Akkad. Für die kommenden Wochen sind Proteste in zahlreichen deutschen Städten angekündigt. Es ist höchste Zeit, dass die 80 Prozent, die sich jüngst erst wieder in einer Umfrage des ZDF gegen den Krieg geäußert haben, auch Gesicht zeigen, auf die Straße gehen und sich in ihrem Umfeld für die Haltung einsetzen, dass alle Menschen auch wie solche behandelt werden.

Auf der Website http://palaestina-solidaritaet.de werden Veranstaltungen, Demonstrationen und Mahnwachen angezeigt.

Dieter Koschek 12.8.2025

https://www.medico.de

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