Das Zitat „Die alte Welt stirbt, und die neue Welt kämpft darum, geboren zu werden: Jetzt ist die Zeit der Monster“ stammt von Antonio Gramsci (um 1930).
Allein, dass dieses Zitat fast 100 Jahre alt ist, sagt mir, dass es schon immer Monster gab, dass es aber auch immer schon Menschen gab, die darum kämpfen, dass die neue Welt geboren wird.
Das Zitat beschreibt eine historische Übergangsphase, in der alte Ordnungen zerfallen, aber neue noch nicht fest etabliert sind, was zu Krisen und Unsicherheiten führt. Der Übergang ist geprägt von Gefahren, Chaos oder extremen politischen/sozialen Erscheinungen, die Gramsci als „Monster“ bezeichnete.
Monster als Metapher für die Krisen unserer Zeit: Klimawandel, Corona, Ukraine, Gaza, Rechtsextremismus, Ungleichheit.
Es betont auch die Notwendigkeit der aktiven Gestaltung des Wandels, da alte Gewissheiten nicht mehr gelten.
Friedrich Merz ist ein Handlanger dieser Monster. Auf seiner bemerkenswerten Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 hielt er zwar die Menschenrechte und das Grundgesetz hoch, um sich von der US-amerikanischen Regierung abzugrenzen. Aber sein Plädoyer für Wachstum und Wohlstand zeigt, dass er nichts verstanden hat, sondern innerhalb der politischen Klasse bleibt – und eben nicht einen gefährdeten Planeten retten oder grassierende Ungleichheiten beseitigen will. Sondern auf alte Technologien setzt, Fossile Brennstoffe, Verbrennerautos und die Rüstungsindustrie.
Es bleibt den Kräften der Gestaltung des Wandeln in die neue Welt vorbehalten, hier Widerstand zu leisten, die neue Welt vorzubereiten und das eigene Bewußtsein zu erweitern, wie schon Joana Macy, die große Lehrerin der Tiefenökologie meinte.
Das was wir tun, müssen wir weiterhin tun! Und uns nicht von den Monstern auffressen lassen.
In einem Beitrag über den Widerstand gegen die ICE-Einsätze in Minnesapolis schreibt Mitsuo Iwamoto, Redakteur im Ressort Zukunft der taz, von drei Möglichkeiten, die helfen können: 1. aktive Nachbarschaftshilfe zu organisieren. 2. Organisieren, Organisieren, Organisieren und 3. notfalls zu politischen Streiks zu greifen. Wer weiß ob es zu politischen Streiks kommt, wenn die Situation noch schlimmer wird. Aber die ersten zwei Punkte können sofort angefangen werden.
Als Aktivierungshilfe möchte ich den OYA Almanach 2026 vorschlagen. Er berichtet von etlichen Initiativen des Wandels, aber auch von einer besseren Zukunft. Dazu soll „vorauslieben“ helfen, so heißt der Almanach, also sich eine schönere Zukunft vorzustellen und aktiv zu handeln.
Hildgard Kurt sagt dazu in einem Interview: „So klein unser Handlungsspielraum sein mag, so groß ist unser Haltungsspielraum. Tatsächlich haben wir ja zum Beispiel die Freiheit, im eigenen Umfeld nicht noch mehr Negativität einzubringen, sondern nach Kräften Sinn stiftend tätig zu sein. Das geht auch im ganz Kleinen – und kann nur konstruktiv sein.
Genauso kraftvoll ist es, weniger als bisher im Modus des „um zu“, also auf Ziele hin tätig zu sein. Sondern so zu leben und zu arbeiten, dass alles, was wir tun, in jedem Moment seine Stimmigkeit und Gültigkeit ganz in sich selbst trägt, völlig losgelöst von vermeintlichem Erfolg oder Misserfolg.
Das bringt eine große Befreiung. Denn beim zielgerichteten Hinarbeiten auf ein fixes, gar messbares Ziel unterliegen wir allzu oft unseren vielen mentalen Gewohnheiten, Konditionierungen und Automatismen.
Nur zu leicht bleibt dabei eine alles entscheidende Qualität auf der Strecke, nämlich innere Präsenz.
Tatsächlich zeigt sich jetzt deutlich: Um zukunftsfähig zu werden gilt es, gegenwartsfähig zu sein.“
Und beschreibt dies konkreter im Almanach: „Hierfür braucht es Gemeinschaft und Emergenz: ein Miteinander fragender, zuhörender, um Präsenz ringender Menschen, versammelt um ein lebensdienliches Anliegen – wie die Blätter einer Blüte um eine gemeinsame Mitte.“ (Almanach , Seite 162) Und verweist auf das „kreative Wir“, als alle Arten des Gemeinschaffens wie Solidarische Landwirtschaft, freie Soft- und Hardware, Kollektivbetriebe, Genossenschaften, Hausprojekte oder intentionalen Gemeinschaften.
Also zeigen wir Haltung, bleiben gegenwärtig und lieben voraus.
Dieter Koschek
Der oya Almanach 2026 kann bestellt werden: oya-online.de